In Deutschland gibt es 10 Giftnotrufzentralen. Sie beraten Tag und Nacht kostenlos und können oft eine Krankenhauseinweisung vermeiden. Jährlich erhält die Bonner Giftnotrufzentrale ca. 27000 Anrufe. Die meisten Fälle sind nicht die Pilzvergiftungen sondern Kinder, die unbekannte Beeren oder Medikamente der Erwachsenen versehentlich gegessen haben. In solchen Fällen ist es sehr wichtig Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen, damit der Arzt genaue Angaben zum Fall erhält.
Folgende Details können wichtig sein:
Wer hat was eingenommen? Wie alt ist die Person und wie schwer? Waren es Medikamente oder Reinigungsmittel oder bestimmte Pflanzen? Wann wurde es verzehrt? Was für Symptome zeigt die Person? Wurden bereits irgendwelche Maßnahmen unternommen? Wo ist es vorgefallen? Wichtig ist es auch in der Aufregung daran zu denken Telefonnummer und Adresse anzugeben?
Erst wenn die Notrufzentrale weiß um welche Substanz es sich handelt kann sie entscheiden ob es harmlos ist oder ob eine sofortige Magenentleerung nötig ist. Auch ist eine Giftbindung durch die Einnahme von Medizinalkohle eine der Optionen oder es steht die sofortige Einweisung in ein Krankenhaus an.
Gefahren lauern an den verschiedensten Plätzen:- Im Garten sind giftige Pflanzen wie z. B. Eibe, Oleander, Narzissen, Maiglöckchen, Thuja, Efeu, Rhododendron, Krokus, Engelstrompete. Bitte informieren Sie sich beim Gärtner bevor Sie pflanzen.
- Im Wohnzimmer Zigaretten, Duftöle, Alkohol etc. auch Zimmerpflanzen sind oft giftig z. B. Azalee, Alpenveilchen, Efeutute, Ficus, Weihnachtsstern oder Dieffenbachie.
- Im Bad: WC-Reiniger, Desinfektionsmittel, Nagellackentferner, Bleichmittel, Parfüm.
- In der Küche: Essigessenz, Kalkreiniger, Backofenspray, Geschirrreiniger.
Hier sollten auch keine Medikamente aufbewahrt werden, besser in einem abschließbaren Schrank.
- Auch in der Garage kann man Gifte finden z.B. Verdünner Spiritus, Benzin, Terpentin, Lacke, Pflanzenschutzmittel usw. Hier sollten Kinder keinen Zutritt haben.
Es gibt bis zu 120000 Vergiftungsunfälle im Jahr bei Kindern. Glücklicherweise sind die meisten Fälle harmlos und Vergiftungen mit Todesfolge selten.
Bei den Erwachsenen handelt es sich in 50 % der Fälle um Selbsttötungsversuche mit Medikamenten. 30 % sind Unfälle dagegen sind Fehldosierungen eher selten, können aber bei älteren Menschen auch vorkommen.
Die Aufgabe der Giftnotrufzentralen ist nicht nur unnötige Einweisungen zu vermeiden, sondern Sie beraten und erfragen ob der Betroffene Symptome zeigt, die zum jeweiligen Gift passen. Erbrechen kann harmlos sein. Bei Bewusstlosigkeit sofort den Notarzt rufen. Zum Spülen der Schleimhäute wird empfohlen in kleinen Schlucken zu trinken, nicht mehr als ein bis zwei Gläser. Keine Milch trinken das fördert die Aufnahme von Giftstoffen und es kann zu Erbrechen kommen. Gut ist es den Mund auszuspülen oder mit einem feuchten Lappen auszuwischen.
Man sollte es unterlassen ein Erbrechen zu erzwingen, denn die ätzenden Substanzen passieren dann ein zweites Mal das gefährdete Gebiet. Außerdem können Benzin oder Duftöle beim Erbrechen in die Lunge geraten und die Atmung gefährden. Medikamente außer Reichweite von Kindern lagern und in abschließbaren Schränken. Kinder sind erfinderisch und kommen in unbeobachteten Momenten überall hin, deshalb sind auch hohe Regale für gefährliche Substanzen nicht geeignet!
Reinigungsmittel und andere Substanzen nicht in Getränkeflaschen lagern oder neben Lebensmitteln. Man denkt nicht dran aber auch in Handtaschen laueren eventuell Gefahren für Kinder z. B. Zigaretten oder Medikamente oder Parfüms. Seien Sie aufmerksam, dann sind Sie vor bösen Überraschungen bewahrt.
Giftnotruf München 089-19240
Giftnotruf Berlin 030-19240
Quelle: Apotheken Umschau