Bibliotherapie - schreiben Sie sich den Kummer von der Seele
Ganz automatisch greifen manche Menschen zum Schreiben, wenn sie in Krisen geraten oder Liebeskummer haben. Da wird aus manchen ganz von selbst ein Poet. Man schreibt Briefe ohne sie jemals abzusenden. Das ist aber nicht sinnlos, so Ingeborg Woitsch, Poesiertherapeutin aus Berlin. Durch das Aufschreiben werden die Dinge auf den Punkt gebracht und sortiert. Der Blick auf Wesentliches wird frei. Auch wird eine Bestansaufnahme der Situation gemacht. Es gibt auch andere Kunsttherapieformen wie Musizieren und Malen.
Die Bibliotherapie funktioniert so: über eine vorgelesene Geschichte oder auch ein Märchen kommen Therapeut oder Teilnehmer untereinander ins Gespräch. Vielleicht finden sie darin Trost oder sie fühlen sich verstanden. Anders bei der Poesietherapie, hier schreiben die Teilnehmer selbst. Es ist wichtig das eigene Fühlen in Worten auszudrücken. Das kann erleichtern und helfen zu verarbeiten und ermutigen.
Eigentlich ist diese Therapieform nicht neu. Schon die Schamanen benutzten Gesänge und Gebete zum Heilen. Schon die Griechen 300 v. Christus nutzten das Wissen zuerst das Wort, dann die Heilkräuter und zuletzt das Messer zu benutzen um den Patienten zu heilen. Auch der Dichter Fontane überstand eine schwere Krise in dem er schrieb. Diese Therapieform wird zur Begleitung anderer Therapien angewandt. Hier findet auch keine Beurteilung ob richtig oder falsch statt. Die Aufgaben sollen auch nicht an das Schreiben von Aufsätzen in der Schule erinnern. Man kann Eindrücke in ein Tagebuch schreiben. So macht man das Erlebte dingfest und hört auf zu Grübeln bei dem die Dinge immer in der Schwebe bleiben. So hilft einem das Unbewusste leichter eine Lösung zu finden. Um inneren Ballast loszuwerden kann man jeden Morgen eine Seite mit allem was einem gerade einfällt füllen. Einfach Schreiben ohne Nachzudenken. Schaut man nach 10 Tagen auf die gesammelten Werke werden einem die Sätze von zentraler Bedeutung bewusst. Man kann daraus Antworten auf bestehende Probleme erhalten. Es ist wie eine Art Morgenmeditation.
Leidet man unter psychosomatischenn oder psychischen Störungen oder Angst- und Panikattacken oder Depressionen ist diese Therapieform zu empfehlen, da der Betroffene anfängt sich nicht mehr als Opfer zu empfinden sondern anfängt sein Leben selbst zu gestalten. Auch bei Trauer–oder Trennungsprozessen kann diese Therapie hilfreich sein um zu heilen und zu überwinden, damit man neues Selbstbewusstsein aufbauen kann.
Quelle: Apotheken Umschau
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